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Ich finde die Idee mit dem T-Shirt auch nicht so gut. Sorry, alepopale. Aber ich kann dir auch sagen, warum. Also, Vorsicht! Hier kommt Don Quixote – alias ursa minor – auf Kreuzzug.
Ich habe zwar seit der 13 keine Gedichte mehr interpretiert, aber gucken wir doch mal in den Text.
Der Song baut einen Gegensatz auf zwischen der harten, abstoßenden Welt da draußen und dem gefühl„vollen“ „you and me“ hier drinnen. Selbst eine Emotion wie das Weinen wird als etwas Negatives dargestellt: Man sieht komisch/lustig dabei aus (people look funny when they cry) und außerdem ist man dem „Mechanismus Weinen“ hilflos ausgeliefert (press the cry button it unlocks). Der Umschwung, der Kontrast, die Wendung zum Guten kommt erst ganz am Schluss vom Lied: BUT something is sacred in your eyes ... Bis hier hin ist alles negativ.
In dem Teil, in dem von dem T-Shirt die Rede ist, ist erst mal gar keine Ironie vorhanden. That COULD be me in a couple years – ich könnte auch hier landen. Wenn ich mich aufgebe, aufhöre zu kämpfen und an das Gute zu glauben. Und wo „hier“ ist, darüber besteht kein Zweifel: ganz unten. Hier, das ist unter der Autobahnbrücke, wo es nicht mal Luft zum Atmen gibt, sondern nur Abgase (suckin’ fumes under the highway pass). Gerüche von Bier, Pisse und Benzin, Zeitungen statt Hosen (obwohl es regnet) und als Krönung des Ganzen ein T-Shirt, auf dem steht „Damn I’m good“. Die Aufschrift ist natürlich ironisch, aber auf eine traurige Weise. Die eigentlich positive Aussage wird durch die äußeren Umstände ad absurdum geführt. „Wenn du so gut bist, wieso lebst du dann hier unter der Brücke?“ drängt sich als Reaktion auf. Die Obdachlosen haben es schwer, die eigene Selbstachtung aufrechtzuerhalten und zeigen der Welt in einem letzten trotzigen Akt, dass sie sich ihrer Lage bewusst sind, dass sie aber immerhin noch zur Selbstironie fähig sind. Schlimm, wenn es eines T-Shirts bedarf, um das zu beweisen. Der konstanten Ablehnung ihrer Umwelt – sozusagen als letzten Ausweg aus einer Welt voller Hass – haben sie nur eins entgegenzusetzen: Die Aufforderung, ja, lach über mich. Wenigstens eine positive Reaktion.
Gut, du lebst nicht unter der Brücke, also ist der Kontrast zwischen der Aussage auf dem T-Shirt und dem Lebensstil des Trägers nicht mehr gegeben. Da das T-Shirt aber im Eels-Song in einem komplett negativen Kontext steht, finde ich trotzdem, dass es als Eels-Insider-Gag nicht funktioniert. E ist sich der „Gefahr“ bewusst, ist sich bewusst, dass er einiges mit den Obdachlosen gemeinsam hat, nicht zuletzt die Selbstironie. Aber er versucht ja gerade zu verhindern, dass er eines Tages zu denen gehört, die solche T-Shirts tragen.
Don Quixote over and out. Nicht böse sein, gell?
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