ich weiß nicht...ob mccain oder obama, amerika wählt im prinzip _immer_ hollywood. die wahlkampfkampagnen und -inszenierungen nehmen sich doch nicht viel, die sind auf beiden seiten bis ins letzte detail ausgeklügelt und choreographiert. obama hat eben das besser umsetzen können als mccain. was mir an mccains wahlkampf nicht gefallen hat ist, dass er und sein team teils massiv versucht haben, obama auf persönlicher ebene zu diskreditieren. da wurde der schon mal in die ecke von terroristen gestellt, mit seiner hautfarbe und seinem für joe average fremd klingenden namen ängste geschürt...und ständig vorwürfe, er wäre nicht patriotisch genug, zu wenig gläubig...was die republikaner halt immer ganz gerne machen, um den gegner zu besudeln. teilweise hat mccain ja schon wieder zurückrudern müssen und angst bekommen vor den geistern die er rief, weil sein wahlvolk auf veranstaltungen teils in lynchstimmung geraten ist. obama hat auch mccain angegriffen, keine frage, aber das war stets auf sachbezogener ebene, nie persönlich. seine nüchterne, kontrolliert-besonnene art hat mir auch mehr zugesagt.
eins darf man ja nicht vergessen: auch die demokraten sind nach deutschem wertesystem im eher konservativen spektrum, die sind ja nicht mit der spd gleichzusetzen.
was die positionen betrifft, ist mir obama einfach lieber als mccain. mccain ist zwar für einen republikaner relativ "liberal", aber trotzdem schon noch sehr wertkonservativ. er hat auch gleich massive steuersenkungen angekündigt, trotz des rekordhaushaltsdefizits von über 500 mrd. $ fürs laufende jahr...die rekorddefizite unter der bush-regierung hat er übrigens alle mitgetragen. er gibt offen zu, sich in der finanzpolitik nicht gut auszukennen - angesichts der finanzkrise ist es aber dringend nötig, dass er das etwas besser täte. nicht vergessen, bis jetzt zur finanzkrise waren die letzten jahre von einem starken wirtschaftsaufschwung geprägt - trotzdem haben die republikaner und mr. bush den staat total überschuldet und keinen vernünftigen haushalt hinbekommen. gegen clinton kann man sagen was man will, aber der hat den staatshaushalt ausgeglichen überlassen. gibt da eine schöne statistik, die belegt, dass die republikaner meister im schuldenmachen sind...obwohl sie den demokraten stets vorwerfen, nicht mit geld umgehen zu können:
http://www.20min.ch/news/dossier/uswahlen/story/14709257die partei hat einfach abgewirtschaftet und es nicht verdient gehabt imo, weiterzuregieren. und wer allen ernstes so eine dumme person wie palin als vize aufstellt, ist wohl auch als präsident nicht geeignet, denn seine engsten mitarbeiter sollte man sich sorgfältiger aussuchen. mccain hat sehr auf die unbedarftheit und noch geringe politische erfahrung von obama hingewiesen, was auch richtig ist. dennoch sehe ich gerade in dieser unverbrauchtheit eine chance, dass ein frischer wind ins weiße haus kommt, und die wähler sahen das wohl ebenso. was hat mccain denn vorzuweisen? der lebt doch großteils immer noch von seinem nimbus als kriegsheld. ist nach seiner karriere in der army sofort in die politik gewechselt anfang der 80er und seitdem berufspolitiker. er hat nie studiert, und ist kein intellektueller. obama ist das. und ich glaube, nach dem wenig geistreichen mr. bush sollte das mächtigste amt der welt wieder in die hand von jemanden, der einen scharfen verstand hat. obama ist ein top-jurist, nicht vergessen...
zur außenpolitik: mccain ist ein falke...er baut auf 100% militärische stärke, unterstützt immer noch den irak-krieg und hat es von anfang an getan. wie war das mit den angeblichen massenvernichtungswaffen und al kaida im irak...?
obama traue ich zu, ein besserer diplomat zu sein, was auch dringend notwendig ist in so einer komplizierten welt. er hat erkannt, dass die usa einfach auf die unterstützung ihrer alliierten angewiesen sind und nicht mehr so leicht alleingänge starten können. auch obama kann und wird sich nicht sofort aus dem irak zurückziehen...dass das in der jetzigen situation gar nicht möglich ist, weiß er doch auch. zudem möchte er die präsenz in afghanistan ausbauen und den grundkonflikt des terrorismus in der region dort stärker angehen...das ist doch eigentlich eine wenig populistische ansage, oder?
nach bush hätte man auch mit mccain leben können, klar. aber ich finde schon, dass der bessere kandidat gewonnen hat, der zudem eine gewisse strahlkraft als person und symbol hat, die sich hoffentlich positiv auswirken wird. ob es letztenendes so kommt und obama die hoffnungen erfüllt, man weiß es nicht! abwarten.
ein wort noch zu kennedy und der gefahr des erstschlages: kennedys wirken wird allg. überschätzt, das stimmt. und der mythos seines todes bewirkt angesichts seiner kurzen amtsdauer eine überhöhung seiner person, die sein politisches werk nicht ganz rechtfertigt (man denke nur an den vietnam-konflikt, der unter ihm erst richtig ins rollen kam...). aber für die kubakrise 1962 konnte er ja nun nichts, und da haben er und sein regierungsstab (und nikita chruschtschow...) nach meinem empfinden die krise gut gemeistert! kann da nur den film "thirteen days" empfehlen...ich möchte nicht wissen, was in der situation passiert wäre, wenn richard nixon die wahl 1960 gegen kennedy gewonnen hätte...
ist viel text geworden, sorry...

discuss! solche politischen fragen finde ich sehr interessant und anregend.