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Das Kino liegt für mich sowieso inzwischen in seinen finalen Zügen; gerade lief auch mal wieder eine diesbezügliche und auch sehr empfehlenswerte Doku auf Arte (Made in Hollywood), in welcher der aktuelle Stand des Blockbusterkinos beschrieben wird. Letztlich beschränken sich die Studios immer stärker auf einzelne Filme, in welche sie dann all ihr Geld und all ihre Marketingpower einfliessen lassen. Und schon am ersten Tag der Kinoauswertung ist dann auch schon der kommerzielle Wert und Werdegang eines Films bestimmt und besiegelt (hierzu gibt es auch eine vorzügliche Dokumentation, zu finden an ungewohnter Stelle: Tenacious D - The Complete Masterworks 2. Hier gibt es in den Special Features eine gute einstündige, erstaunlich ernsthafte Dokumentation über den Tenacious D Film Pick Of Destiny, der mit einer ungeheuren medialen Kampagnenwucht in den USA gestartet wurde, am Eröffnungswochenende weit unter den Erwartungen lief und nach zwei Wochen dann schon wieder aus sämtlichen Kinos, Medien und dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden war. Und dieser Prozess der Eventisierung eines Kinofilms und dessen sofortiger Vaporisierung ist erschreckend und faszinierend zugleich anzusehen). Dadurch verhindert man aber ganz strukturell auch, dass sich überhaupt noch Filme über Mundpropaganda zu Box-Office Hits entwickeln könnten. 80% seiner gesamten Kinoeinnahmen spielt der durchschnittliche US-Blockbuster inzwischen direkt an seinem Startwochenende ein. Inzwischen hat sich das System einfach soweit verselbständigt und perfektioniert, dass es sich selbst zu zerfressen beginnt. Wenn es sowieso im Kern nur noch um den Eventcharakter eines Filmes geht und dieses Event dann sowieso auch nur drei Tage lang Bestand haben muss, dann muss man einfach auch gar kein gesondertes Interesse an einer nachhaltigen Wirkung des etwaigen Filmes mehr haben. Man muss es nur schaffen, eine entsprechend große mediale Anspannung zu erzeugen, die den Eindruck eines Ereignisses erzeugt, dem sich der potentielle Zuschauer nicht entziehen kann, oder überhaupt entziehen will. Und das ist fundamental anders, als es noch zu Beginn des Blockbusterzeitalters der Fall war. Jaws WAR ein richtiges Ereignis; hier haben sich wochen- wenn nicht gar monatelang die Menschen um die Wohnblöcke gedrängelt, um diesen Film sehen zu können. Was bedeutet, dass man auf der Arbeit, im Freundeskreis - schlicht in der Gesellschaft darauf angesprochen wurde, man müsse diesen Film sehen. Heute ist doch zumeist das Gegenteil der Fall. Am Startwochenende rennen alle geschlossen in den gleichen Film, von dem sich denken lässt man müsse ihn in dieser Spielzeit unbedingt gesehen haben - und danach unterhalten sich dann alle darüber, wie wenig erfüllend dann doch alle diese Trailerversprechungen wieder einmal gewesen sein mögen. Gleichzeitig muss man solche Filme natürlich dann auch immer am möglichst größten überhaupt nur denkbaren Publikum ausrichten. Was wiederum auf eine möglichst umfassende Limitierung und Konzentration im Bereich der Narration, der Konzeption und letztlich sogar des Genres führt. Der aktuelle Blockbusterfilm muss entweder ein Fantasyfilm sein; oder noch besser: eine Comicverfilmung. Hier kann man letztlich je nach Gusto sämtliche bisherigen Genres kombinieren, plündern und sich gleichzeitig derer Filetstücke bedienen. Anders als bei früheren Genrefilmen ist es hierbei dann auch nicht unbedingt mehr nötig, mit einer ansteigenden Lebensdauer des jeweiligen Genres irgendwann auch zu elaborierteren Ausdrucksformen zu gelangen. Und auf Dauer kann so eine Entwicklung einfach nicht gut sein und auch nicht gut gehen.
Amerikanische Fernsehserien funktionieren inzwischen hingegen fast diametral anders. Zum einen muss man hier den Zuschauer über eine lange Strecke bei der narrativen Stange halten. Hier geht es nicht um einen Kernzeitraum der Verwertungskette von wenigen Tagen. Hier geht es zumeist um viele Jahre. Auch werden Serien verstärkt als Nexus gesehen, um das eigene Senderprofil zu stärken. AMC hatte jahrelang im Kern nur ältere amerikanische Filme gezeigt, sich dann aber entschieden, sich über Eigenproduktionen neu ins Gedächtnis der Zuschauer zu bringen. Und dann wurde dort fast zeitgleich Breaking Bad, The Walking Dead und Mad Men produziert. Ganz zu Schweigen von Pay-TV Stationen wie HBO oder Showtime, denen es weder um Werbegelder, noch um relative Zuschauerzahlen gehen muss. Sondern nur um absolute, weil sich darüber deren Einnahmestrukturen und Renditen ermitteln. Und wenn es sich eben eher um ein entsprechend breites Zeitfenster handelt, dann muss man prinzipiell einfach eher an der Qualität einer Produktion interessiert sein und nicht an dessen reinem Eventcharakter.
Und daher wird das Kino für mich immer weniger filmisch; und immer stärker attraktionsbestimmt. Aber wenn das denn da dann gar keine richtigen Filme mehr sind, die sich dort auf das Flimmern der Leinwand verirren, was ist es denn dann ? Und warum sollte man es sich überhaupt noch ansehen...
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